Bund schiebt Nordrhein-Westfalen Verantwortung zu

Farbig gedruckte Einladung an Terroristen

22.06.13 Karikatur FahrradWer begreift so etwas: Privat- und Hobby-Piloten an kleineren Flugplätzen, wie es zum Beispiel Bonn- Hangelar einer ist, müssen sich in periodischen Abständen einer Sicherheits- und Zuverlässigkeitsüberprüfung unterziehen. Dagegen gibt es keine Sicherheitschecks, wenn Sie und ich mit ihnen mitfliegen und wir unsere Koffer oder Taschen an Bord hieven. Möglicherweise befindet sich darin aber eine dirty-bomb. Sie besteht aus konventionellem Sprengstoff und atomaren ‚Abfallstoffen‘. vielleicht  Uran oder Plutonium. Ein solches Szenario habe ich in meinem Buch NUCLEUS, das vor einem Jahr im Buchhandel erschienen ist, veröffentlicht. Jetzt ist das seinerzeit der Fantasie entsprungene Szenario in der Realität angekommen.

Broschüre der Flugplatzgesellschaft

Broschüre der Flugplatzgesellschaft

Die Flugplatzgesellschaft Bonn- Hangelar, in der die Stadt Bonn Hauptanteilseigner ist, wirbt in ihrer neuen Broschüre genau damit, dass es keine lästigen Abfertigungsprozeduren, wie auf großen Flughäfen üblich, gibt. Mit dem Auto könne man sogar auf das Rollfeld fast bis zur Maschine fahren. Eine farbig gedruckte Einladung an jeden Terroristen. Und das, nachdem unweit vom Flugplatz, am Bonner Hauptbahnhof erst jüngst ein Bombenattentat verübt wurde. Der oder die Täter waren vermutlich Bonner Salafisten. Das Bundeskriminalamt hat die Ermittlungen aufgenommen.

Zu den paradoxen Abläufen auf dem Flugplatz habe ich Fragen an den zuständigen NRW-Verkehrsminister Minister Michael Groschek (SPD) gestellt. Aber auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) habe ich dazu befragt. Denn seine Terrorabwehrgruppe GSG 9 und ein großes Kontingent der Bundespolizei residiert auf einem großen Gelände das direkt an den Bonn-Hangelarer Flugplatz angrenzt. Es ist laut Polizeidirektor Thomas Helbig, Leiter der dortigen Fliegergruppe der Bundespolizei, der größte Standort der Bundespolizei in Deutschland. Wenn man Näheres über die wirkliche Größe des Geländes wissen will, bekommt Helbig große leuchtende Augen und greift zu weltläufigen Beispielen, die wiederum beim Zuhörer augenblicklich Nachdenklichkeit erzeugen. Zwei mal so groß wie der Vatikan-Staat und zwei Drittel von Monte Carlo, erklärt er mit bedeutsamer Mimik und ausladenden Armbewegungen.

22.06.13 Ausriss BroschüreAber zurück zu meinen Fragen an die Minister. Ich wollte von ihnen wissen, ob sie von den erschreckend laschen Sicherheitsvorkehrungen wüssten. Minister Friedrich habe ich auf dem Weg auch noch daran erinnert, dass er sich im Zusammenhang mit dem Bombenattentat auf dem Bonner Hauptbahnhof unter anderem „sehr dezidiert“ für eine verstärkte Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen ausgesprochen habe. Auch so etwas gibt es am Bonn- Hangelarer Flugplatz nicht. Und dann habe ich beide Minister auch noch darauf hingewiesen, dass anlässlich des zehnten Jahrestages der Anschläge vom 11.September  2001 das amerikanische FBI und das Ministerium für Innere Sicherheit der USA insbesondere vor Anschlägen von Terroristen  mit Kleinflugzeugen gewarnt hatten.

Aber auch das deutsche Bundeskriminalamt, das ja im Zusammenhang mit dem Attentat am Bonner Hauptbahnhof die Ermittlungen an sich gezogen habe, habe die Gefahr erkannt und Ende vergangenen Jahres mit einem eigens für den Luftverkehr erstellten Papier gewarnt, die Luftfahrt stehe nach wie vor im „Zielspektrum” sowohl islamistisch-terroristischer Gruppierungen als auch von islamistisch motivierten Einzeltätern.  „Kein Thema für Deutschland?“, für Bonn- Hangelar habe ich die Minister gefragt.

Zugleich habe ich den Ministern auch noch die pikante Situation vor Augen geführt, dass ein Terrorist ganz locker mit seiner dirty-bomb, also einer kleinen Atombombe, gebastelt aus einem halben Pfund atomarem Stoff, Plutonium oder Uran aus sogenanntem atomarem Abfall vielleicht, und etwas konventionellem Sprengstoff, in so eine Maschine einsteigen könne. Vorne sitzt der sicherheitsgeprüfte Hobby-Pilot und der Terrorist hinter ihm. Über dem Gelände der Bundespolizei und der Terrorabwehrtruppe GSG 9 würde er die Bombe zünden. Polizei und GSG 9 müssten schleunigst das Weite suchen. Der größte Standort der Bundespolizei in Deutschland wäre nicht mehr zu nutzen. Alles wäre im Nu dort verstrahlt. Vor allem die Terrorabwehrtruppe GSG 9 wäre für lange Zeit handlungsunfähig.

Spätestens jetzt kommen Erinnerungen hoch an eine Geschichte, die 2001, gleich nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York, im Raum Bonn für Schlagzeilen gesorgt hat. – Einer der Todespiloten hatte zwei Jahre zuvor im Raum Bonn zwei Probeflugstunden mit einem Leichtflugzeug absolviert Es war Marwan al-Shehhi. Er hatte mehrere Jahre lang in Bonn und Hamburg studiert. Im Oktober 1999 flog er zweimal als Fluggast mit dem Bonn-Hangelarer Fluglehrer Ralf Gross , mit einem zweisitzigen Ultraleichtflugzeug der Marke Remos-G3 – über das Bonn-Kölner Gebiet. Gross war sich sicher, dass sein Fluggast Al Schehhi war, nachdem er ein Bild von ihm wenig später nach dem Anschlag in der Bild-Zeitung gesehen hatte. Ralf Gross, bot bis dahin auf dem Flughafen Bonn-Hangelar Rundflüge für Touristen und Fluginteressierte an.

Laut Spiegel und stern erinnerte er sich auch, dass sich Al Schehhi gerne über die Bonner Ministerien und die Köln- Wesselinger Chemiefirmen fliegen ließ.

karikatur terrorflug

Ein Redakteur des Bonner Generalanzeiger befragte nach Bekanntwerden dieses Szenarios bei dem das Gelände der Bundespolizei und der GSG 9 verstrahlt würden, einen hochrangigen Vertreter der Bundespolizei von vor Ort, ob sich die Polizei durch dieses Szenario bedroht fühle. „Alles Blödsinn“, antwortete der dem Redakteur des Blattes. „Wir fühlen uns nicht bedroht. Aber nennen sie nicht meinen Namen.“ Der Sprecher der dortigen Bundespolizeidirektion fahndete, als diese Aussage im Bonner Blatt erschien, zusammen mit anderen hochrangigen Vertretern der Truppe nach dem Mann. Bis heute ist er nicht gefunden worden.

terrorist über polizeibundesinnenminister-friedrich

Dafür haben die Minister Farbe bekannt. Und schnell wird klar, dass sie in der Sache doch unterschiedliche Auffassungen vertreten. Minister Groscheck ließ durch seinen Sprecher verlauten, es werde insbesondere verhindert, dass ein ungehinderter Zugang zu Luftfahrzeugen beziehungsweise „deren Inbetriebnahme“ möglich sei. Auf meine Nachfrage, ob es dabei lediglich darum ginge den Diebstahl der Maschinen zu verhindern oder, ob es sich dabei auch um Überlegungen handele wie man verhindern könne, dass sich Terroristen der Flugzeuge bemächtigen könnten, erklärte Groscheks stellvertretende Pressesprecherin Marielle Erb kategorisch, Details zu Sicherungsmaßnahmen können grundsätzlich nicht veröffentlicht werden. Dabei wollte ich lediglich wissen, ob es überhaupt welche gibt die terroristische Anschläge verhindern könnten.

Michael-GroschekZugleich verlautet denn auch aus dem Groschek- Haus: Durchsuchungen von Fluggästen „sind an kleinen Flugplätzen gemäß europäischen Vorschriften nicht vorgesehen.“ Die Formulierung lässt aber offensichtlich den Spielraum es dennoch anzuordnen. Darauf weist der Sprecher des Bundesinnenministers hin und schiebt dem Land die Verantwortung über den Tisch zu. Er erklärt „Die hier individuell anzuordnenden Sicherheitsmaßnahmen müssen auf einer ortsbezogenen Risikobewertung basieren und geeignet sein, ein angemessenes Schutzniveau zu erreichen, wobei den Besonderheiten der einzelnen Flugplätze Rechnung zu tragen ist. Zuständig für diese Maßnahmen sind die Luftsicherheitsbehörden der Länder.“

Somit ist doch klar was passiert, wenn ein terroristischer Anschlag, ausgehend vom Bonn- Hangelarer Flugplatz verübt würde, und möglicherweise die Bundespolizei und GSG Terrorabwehrtruppe betroffen wären. Der Bundesinnenminister wird die gesamte Verantwortung auf seinen Länderkollegen abwälzen. In meinem Buch NUCLEUS hat ein Abteilungsleiter des Bundesinnenministeriums während eines Fluges vom Köln-Bonner Flughafen zu einer Krisensitzung in Berlin dem Minister diese Sicherheitslücke geschildert. Ein Stöhnen entrang sich der Brust des Ministers: „Hören Sie auf“, stöhnte er. „Auch das noch. Machen Sie mir eine Vorlage was zu tun ist“, waren seine letzten Worte dazu.

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