Die niedersächsische Gemeinde Borkum wurde von der Agentur für Erneuerbare Energien  (AEE) für ihr Engagement als Energie-Kommune des Monats ausgezeichnet. Das gab die Agentur am vergangenen Donnerstag, 30. August, bekannt.  „Die Nordseeinsel Borkum ist ein Testfeld für innovative Energiespeicher unter realen Bedingungen“, erklärt Nils Boenigk, stellvertretender Geschäftsführer der AEE im Zusammenhang mit der Auszeichnung.

Borkum ist ein ideales Testlabor...; Nils Boenigk
Borkum ist ein ideales Testlabor…; Nils Boenigk

„Bürgerinnen und Bürger sowie die Stadtwerke erproben zusammen mit Partnern eines europäischen Projektes moderne Speicher und Energiemanagementsysteme, weil diese Technologien für die vollständige Versorgung mit Erneuerbaren Energien notwendig werden“, erläuterte Boenigk weiter.

Die Nordseeinsel Borkum ist, aus Sicht der AEE, ein ideales Testlabor für die Energiewende: Hier leben rund 5.200 Menschen, die Sonneneinstrahlung ist mit durchschnittlich 2.000 Sonnenstunden im Jahr eine der höchsten Deutschlands und Borkum bildet als eine komplett vom Meer umgebene Insel ein abgeschlossenes System mit vereinfachten Messbedingungen. Sie ist bei diesen Parametern ein sehr geeigneter Standort für die Erprobung von Energiespeichern und Energiemanagementsystemen, also genau jenen Technologien, die in Zukunft für die Energiewende notwendig werden, wenn die wetterabhängige Wind- und Solarstromerzeugung zunehmen wird.

Der Test- unter Realbedingungen – läuft seit 2015 im Rahmen des von der Europäischen Kommission geförderten Projektes „NETfficient“. Dabei sind die Borkumer Stadtwerke einer von dreizehn Partnern aus Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus sieben europäischen Ländern. Sie haben das Ziel, auf Borkum bis Ende 2018 eine intelligente Energiespeicherung zu entwickeln, die eine 100-prozentige Versorgung mit regenerativen Energien ermöglicht.

Dafür haben sie auf der Insel Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 279 Kilowatt, sowie Prototypen dezentraler Energiespeicher mit einer Gesamtkapazität von 580 Kilowattstunden sowie Energiemanagementsoftware und Smart Meter installiert. Auch an das Mittelspannungsnetz wurde ein moderner Energiespeicher mit einer Leistung von 1.000 Kilowatt und einer Kapazität von 500 Kilowattstunden angeschlossen. „Dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier vor Ort Prototypen für Energiewende-Technologien unter realen Bedingungen testen, ist ein wichtiger Meilenstein unserer Bemühungen, als Gemeinde bis 2030 klimaneutral zu werden“, bewertet Bürgermeister Georg Lübben das Projekt.

Die AEE weist besonders darauf hin, dass durch das Verbinden von Erzeugungsanlagen und Speichern über das Energiemanagementsystem ein sogenanntes Virtuelles Kraftwerkentsteht: So gelingt es, die wetterabhängige Solarstromerzeugung mit dem Verbrauch zeitlich in Einklang zu bringen. Die Kombination von Energie-Managementsystemen und installierter Speicherkapazität kann Spitzenlasten ausgleichen und regenerativ erzeugte Energie dann zur Verfügung stellen, wenn sie benötigt wird. Dadurch wird die Netzleistung und -stabilität deutlich verbessert und nachhaltige Energie zu jeder Zeit verfügbar.

 

Das Projekt läuft noch bis Ende 2018. Dann werten die Projektpartner die Ergebnisse aus. Wichtig ist ihnen, herauszufinden, wie wirtschaftlich das Virtuelle Kraftwerk betrieben werden kann und ob ein solches System auch skalierbar, also auch auf andere Regionen in größerem oder kleineren Maßstab angewendet werden kann. „Die Entwicklung eines Virtuellen Kraftwerks auf Borkum ist ein weitreichender Schritt auf dem Weg hin zu einem zukunftsfesten und klimaschonenden Energiesystem“, beschreibt Olaf Look von den Stadtwerken die Bedeutung des Projektes. „Kann zum Projektende die Wirtschaftlichkeit des Energiemanagementsystems bewiesen werden, dann ist es kein weiter Weg mehr um für Borkum die Energiewende wahr werden zu lassen.“ Ein ausführliches Portrait der Gemeinde Borkum ist nachzulesen unter  kommunal-erneuerbar.de/energie-kommunen/energie-kommunen/borkum.html .

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