„Jüngste Äußerungen nähren Zweifel, ob es den von Urenco-Geschäftsführer Ohnemus erklärten Lieferstopp von angereichertem Uran aus Gronau an die belgischen Atomkraftwerke  Tihange und Doel tatsächlich gibt“, erklärte  der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE), Sprecher für den Atomausstieg, am vergangenen Freitag, 02. November.

Sind beide getäuscht worden ...? ; Sylvia Kotting Uhl (Grüne)und Hubertus Zdebel, Linke
Sind beide getäuscht worden …? ; Sylvia Kotting Uhl (Grüne)und Hubertus Zdebel, Linke

Und er forderte deshalb Aufklärung „…und ein Ende dieser nicht verantwortbaren Praxis“, teilte Zdebel zugleich öffentlich  mit.  Er verwies darauf, dass er In einem Schreiben an die Urenco  Ohnemus aufgefordert habe, „…diese augenscheinlichen Widersprüche aufzuklären und in Sachen Uranlieferungen nach Tihange und Doel eindeutig Farbe zu bekennen.“

Da Zdebel bisher noch ohne Antwort blieb haben wir, Umwelt- und Energie-Report zum einen eine Anfrage an die in der Bundesregierung für den Komplex zuständige Bundesumweltministerin Svenja Schulze gerichtet, um den tatsächlichen Sachverhalt zu erfahren.

Bemerkenswert, dass selbst das BMU eigentlich  keine ganz eindeutige Antwort auf den tatsächlichen Sachverhalt geben kann.  Auf unsere Anfrage teilte uns, Umwelt- und Energie-Report,  eine Sprecherin des  Bundesumweltministeriums (BMUB) mit:  „Dem BMU sind entsprechende Pressemeldungen bekannt. Eine belastbare Selbstverpflichtung liegt dem BMU indes nicht vor.“

Wir haben aber auch bei Urenco selbst angefragt, um den tatsächlichen Sachverhalt zu erfahren.    Der Sprecher der URENCO teilte uns schriftlich mit , ganz eindeutig in der Mehrdeutigkeit : „Urenco hat

"Ich will es genau wissen.."; Hubertus Zdebel
“Ich will es genau wissen..”; Hubertus Zdebel

langjährige Verträge mit unseren belgischen Kunden und in dieser Hinsicht erfüllen wir weiterhin unsere Verpflichtungen.  Das besondere an der Urenco ist, dass wir ein internationaler Konzern mit Anlagen in vier Ländern sind und damit aus vier Ländern liefern können. Ich gehe davon aus, dass Sie verstehen, dass wir uns zu internen Prozessen – von wo wir welche Kunden bedienen – oder zu Kundenverträgen nicht inhaltlich äußern.“

Damit  wird wohl das bestätigt, was Hubertus Zdebel  bereits zuvor öffentlich vermutet hat: „Urenco will offenbar weiterhin die Öffentlichkeit hinter die Fichte führen.“ Und er erklärt noch mal seine Enttäuschung und Irritation: „ Anfang Oktober diesen Jahres hat der Geschäftsführer der Urenco Deutschland, Dr. Joachim Ohnemus in einem persönlichen Gespräch mir gegenüber erklärt, es gäbe keine Lieferungen von angereichertem Uran mehr aus Gronau nach Tihange und Doel.“

Gab er ein falsches Versprechen...?; Dr. Joachim Ohnemus, URENCO
Gab er ein falsches Versprechen…?; Dr. Joachim Ohnemus, URENCO, bild urenco

Am 04. Oktober hatte  auch die Bundestagsabgeordnete der Grünen, atompolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl,  auf ihrer Website: Die belgischen Atomkraftwerke Doel und Tihange erhalten keinen Brennstoff mehr aus der Urananreicherungsanlage in Gronau. Das habe das Unternehmen intern beschlossen, und gegenüber den  beiden Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (Bündnis 90/Die Grünen) und Hubertus Zdebel (Die Linke) geäußert.“

Sie hatten sich am Nachmittag des Dienstag , 04. Oktober, mit dem Geschäftsführer der Urenco Deutschland, Dr. Joachim Ohnemus, und weiteren Vertretern der Urenco in Gronau getroffen. Hintergrund des Gesprächs war  ein Antrag im Bundestag, mit dem die Stilllegung der Urananreicherungsanlage und der Brennelementefertigungsanlage in Lingen durchgesetzt werden solle.

 

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