Der russische Energiekonzern Gazprom hat ein Flüssigerdgas-Terminal vor der Küste des Gebiets Kaliningrad in Betrieb genommen. Die Anlage soll die Energieversorgung der russischen Ostsee-Exklave nun, so der merkwürdige Hinweis, mit Stolz wohl verbunden, unabhängig von Europa machen: Gleich nach ihrer Inbetriebnahme wurde der Gas-Transit durch das EU- und Nato-Land Litauen eingestellt – vorerst nur probeweise. Ein kleiner Seitenhieb gegen die, die Europa unabhängig machen wollen von russischem gas?!

Die Abhängigkeit von Transitgas wird auf Null reduziert ..., so Wladimir Putin in gegenwart von Gazprom-Chef Alex Miller, bild Alexej Druschinin
Die Abhängigkeit von Transitgas wird auf Null reduziert …, so Wladimir Putin in gegenwart von Gazprom-Chef Alex Miller, bild Alexej Druschinin

Das schwimmende Flüssigerdgas-Terminal, das fünf Kilometer von der Ostsee-Küste entfernt liegt und mit einem mehr als 700 Meter langen Wellenbrecher geschützt ist, ist am Dienstag in Betrieb gegangen.

Präsident Wladimir Putin, der persönlich anwesend war, wie die von Moskau gesteuerte Nachrichten-Agentur Sputnik-news mitteilte, erteilte vor laufenden Kameras symbolisch das Kommando zur Inbetriebnahme der Anlage, die künftig per Tankschiff „Marschall Wassilewski” mit Flüssigerdgas (LNG) beliefert werden soll. Der nach dem früheren sowjetischen Verteidigungsminister benannte Tanker soll zugleich als schwimmende Regasifizierungsanlage funktionieren: Er soll verflüssigtes Erdgas wieder gasförmig machen und ins Versorgungsnetz einspeisen.

Bislang wird das Gebiet Kaliningrad, das fast eine Million Einwohner zählt, nur mit Pipeline-Gas versorgt, das durch Weißrussland und Litauen gepumpt wird. Das erklärte Ziel des neuen Terminals ist es, Russlands westlichste Region gegen Transitrisiken abzusichern.

Das Gebiet Kaliningrad habe jetzt in puncto Energieversorgung die volle Unabhängigkeit von Europa erlangt, sagte Präsident Putin bei der Zeremonie. „Das Terminal und die dazu gehörenden Infrastrukturen können, wenn nötig, den Gasbedarf Kaliningrads in vollem Umfang abdecken, ohne dass Pipelines auf dem Territorium von Nachbarstaaten in Anspruch genommen werden müssen.“

„Auch wenn es bei derart großen Distanzen wirtschaftlicher und billiger ist, Erdgas per Pipeline zu liefern, gibt das (neue Terminal – Anm. d. Red.) dem Gebiet Kaliningrad Reservekapazitäten und beseitigt sämtliche Transitrisiken“, so der russische Staatschef weiter. Die Abhängigkeit vom Transitgas werde damit „auf null reduziert“.

bild-Ekaterina-Chesnokova
    Kein Erdgas mehr durch Litauen…; bild-Ekaterina-Chesnokova

Gazprom-Vorstandschef Alexej Miller teilte seinerseits mit, dass Kaliningrad schon kein Erdgas durch

Litauen mehr bekomme.

„Die Gaslieferung durch die Fernleitung Minsk-Vilnius-Kaunas-Kaliningrad ist völlig eingestellt worden. Das Gebiet Kaliningrad wird im Moment in vollem Umfang durch das Seeterminal versorgt.“ Es handelt sich offenbar aber nur    um einen vorübergehenden Stopp. Laut Litauens Energieminister Žygimantas Vaičiūnas hat sein Land einen bis 2025 ausgelegten Transitvertrag mit Gazprom.

Die Kapazität des mehr als 60 Milliarden Rubel (ca. 780 Millionen Euro) teuren LNG-Terminals in Kaliningrad ist mit 3,7 Milliarden Kubikmetern im Jahr größer als die der Transitpipeline durch Litauen (2,5 Milliarden Kubikmeter). Laut Gazprom reicht das aus, um sowohl den aktuellen als auch den perspektivischen Gasbedarf der Region völlig abzudecken.

Zudem baut der staatliche russische Energiegigant seit 2009 an einer unterirdischen Speicheranlage in der Ostsee-Exklave. Die Aufnahmekapazität des Untergrundspeichers beträgt bereits 174 Millionen Kubikmeter Erdgas und soll bis zum Jahr 2025 auf 800 Millionen Kubikmeter aufgestockt gebaut werden, berichtete Sergej Pirogow für Sputnik.

 

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