Große Konzerne bestimmen die Regeln in der digitalisierten Landwirtschaft und bäuerliche Landwirtschaft gerät zunehmend unter Druck: Das ist die Kernaussage der Studie  „Blocking the chain- Konzernmacht und Big Data-Plattformen im globalen Ernährungssystem“.

Fehlentscheidungen durch Algorithmus
Fehlentscheidungen durch Algorithmus

Die Herausgeber  der Studie, ETC Group, GLOCON, INKOTA-netzwerk und die Rosa-Luxemburg-Stiftung haben die Ergebnisse am Dienstag, 09. Oktober  in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Studie zeigt, aus Sicht der Rosa Luxemburg Stiftung, in alarmierender Weise, wie das massenhafte Sammeln landwirtschaftlicher Daten in neuen Big-Data-Plattformen mündet, auf denen Boden- und Wetterdaten und Informationen über Verbraucher*innen zentral gespeichert und ausgewertet werden. Vor allem Agrarkonzerne wie Bayer oder AGCO und Internet-Konzerne wie Google oder Amazon dominieren diese Plattformen und profitieren von ihnen. Die Herausgeber der Studie fordern darum eine strenge Regulierung der Digitalisierung in der Landwirtschaft.

„Mit der Digitalisierung steht eine Transformation des Landwirtschafts- und Ernährungsbereichs an“,  argumentiert Pat Mooney, Träger des Alternativen Nobelpreises und Autor der Studie. An wichtigen Knotenpunkten der Agrarlieferkette für landwirtschaftliche Betriebsmittel wie Saatgut, Pestizide und Landmaschinen sowie im Bereich der Lebensmittelverarbeitung bestimmen künftig wenige Konzerne, welche Lebensmittel angebaut werden und was Roboter brauen oder backen“, befürchtet Mooney.

Über Big-Data-Plattformen vertreiben Konzerne nicht nur patentiertes, genmanipuliertes Saatgut, sondern auch den dazu passenden Dünger, die Pestizide und die Maschinen. Indem der autonom fahrende Traktor Daten sammelt und mit Algorithmen auswertet, entscheidet nur das Gerät, wann welches Saatgut oder welche Pestizide genutzt werden sollen.

„Neben dem schwindenden Entscheidungsspielraum von Bauern und Bäuerinnen sind

...... bedroht durch Konzentration...?
… bedroht durch Konzentration…?

Fehlentscheidungen durch den Algorithmus sehr wahrscheinlich und können ganze Ernten vernichten”, sagt Jan Urhahn vom entwicklungs-politischen INKOTA-netzwerk. Für lohnabhängig Beschäftigte in Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie bedeute die Digitalisierung Jobverluste und mehr Überwachung und Kontrolle. Auf Palmölplantagen in Indonesien werden Drohnen bereits zur Überwachung der Arbeiter*innen eingesetzt, warnt Urhahn.

„Solange die neuen Big-Data-Plattformen in den Händen einiger weniger Konzerne liegen, werden sie nicht zum Wohle der Allgemeinheit wirken“, so Urhahn. Ernährungssouveränität könne nur erreicht werden, wenn digitale Technologien, die Sammlung und die Auswertung von Daten demokratisch kontrolliert werden. Deshalb müssten die Konzerne künftig strenger reguliert werden.

Die Studie „Blocking the chain – Konzernmacht und Big-Data-Plattformen im globalen Ernährungssystem“ von Pat Mooney wird gemeinsam von ETC Group, GLOCON, INKOTA-netzwerk und der Rosa-Luxemburg-Stiftung in deutscher und englischer Sprache herausgegeben. Sie kann bei den Herausgebern kostenfrei bestellt werden.

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