Die Pestizidbelastung von Kleingewässern ist dort besonders hoch, wo viele Pestizide auf den umliegenden Äckern eingesetzt werden. Das belegt eine neue Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) die am vergangenen Montag, 11. August, veröffentlicht wurde.

Demnach überschritten in 80 Prozent der untersuchten Bäche in der Agrarlandschaft Deutschlands   die gemessenen Pestizide die für Tiere und Pflanzen festgelegten Grenzwerte. Deshalb kritisiert Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA):  „Das Kleingewässermonitoring zeigt deutlich, dass

„...unsere Gewässer sind nicht ausreichend vor Belastungen, insbesondere durch Pflanzenschutzmittel-Rückstände, geschützt...  !" Dirk Messner, bild uba
„…unsere Gewässer sind nicht ausreichend vor Belastungen, insbesondere durch Pflanzenschutzmittel-Rückstände, geschützt… !” Dirk Messner, bild uba

unsere Gewässer nicht ausreichend vor Belastungen, insbesondere durch Pflanzenschutzmittel-Rückstände, geschützt sind !“ Und weiter stellt das UBA fest, dass wir in Deutschland trotz der bereits existierenden Umweltauflagen im Rahmen der Pflanzenschutzmittel-Zulassung weit vom Ziel der „unbelasteten Gewässer in gutem ökologischem Zustand“ entfernt sind.

Im kommentierenden Statement der Lage heißt es beim UBA weiter: Benötigt werden zukünftig ein regelmäßiges Monitoring   kleiner Gewässer und systematisch erhobene Pflanzenschutzmittel-Anwendungsdaten, um die Umweltauswirkungen landwirtschaftlich genutzter Pestizide   und die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen messen und verbessern zu können. Schon jetzt zeigen die Ergebnisse, dass bewachsene Gewässerrandstreifen ⁠ zum Schutz der Gewässer überall eingerichtet werden sollten.

Im Kleingewässermonitoring wurden 2018/2019 über 100 Gewässerabschnitte in unmittelbarer Nähe zu landwirtschaftlichen Flächen untersucht. Diese Bäche sind der Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanze und sie transportieren Schadstoffe weiter in größere Gewässer, die dann auch zur Trinkwassergewinnung für uns Menschen eine Rolle spielen. Deshalb sollen auch kleine Gewässer in der Agrarlandschaft möglichst schadstofffrei und in einem guten ökologischen Zustand sein.

Die Forscher*innen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig konnten allerdings deutlich zeigen: in der Realität gelangen weit höhere Mengen an Pestiziden in die Gewässer als vorhergesagt. In jeder zweiten Wasserprobe überschritten Wirkstoffe, die in Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden, die akzeptablen Konzentrationen. Zudem haben die Pestizidrückstände weit stärkere Auswirkungen auf die Tiere und Pflanzen im Gewässer als bislang angenommen. Die Lebensgemeinschaft der Insekten war in vier von fünf untersuchten Bächen nur in einem mäßigen bis schlechten Zustand.

Erstmalig wurden jetzt auch die Anwendungsdaten der landwirtschaftlichen Betriebe an zehn Messstellen mit ausgewertet. Je mehr Pestizide auf den

umgebenden Äckern eingesetzt wurden, desto stärker waren die Gewässer mit Pestizidrückständen belastet. Das Team um Prof. Dr. Matthias Liess konnte zeigen, dass ein wesentlicher Teil der Belastung mit Pestiziden nach oder bei Regen in die kleinen Gewässer gelangt. Oberflächenabfluss von den Feldern trägt maßgeblich dazu bei und erfolgt auch über Gräben, die nur zeitweise Wasser führen. Gewässerrandstreifen können diesen Oberflächenabfluss reduzieren.

Umwelt- und Energie-Report berichtet am morgigen Mittwoch über weitere Ergebnisse der Studie